6. November 2025
Langlebige Kondensstreifen bilden sich meist in natürlichen Eiswolken
Forschungsteam identifiziert häufige Umgebungsbedingungen bei der Entstehung von Kondensstreifen und liefert erste Anhaltspunkte für deren Einfluss auf das Klima
Langlebige Kondensstreifen entstehen überwiegend nicht im wolkenfreien Himmel, sondern innerhalb bereits bestehender Eiswolken. Zu diesem Ergebnis kommt ein Wissenschaftlerteam des Forschungszentrums Jülich, der Universität zu Köln, der Bergischen Universität Wuppertal und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Anhand von umfangreichen Beobachtungsdaten konnten die Forschenden erstmals systematisch ermitteln, unter welchen atmosphärischen Bedingungen sich langlebige Kondensstreifen bilden – ob im wolkenfreien Himmel, in sehr dünnen und kaum sichtbaren oder aber in deutlicher sichtbaren Eiswolken, so genannten Zirren. Das Ergebnis: Mehr als 80 Prozent aller langlebigen Kondensstreifen bilden sich innerhalb bereits bestehender Wolken, mehrheitlich in natürlichen Zirren. Noch sind die Auswirkungen dessen auf das Klima nicht eindeutig geklärt. Die jetzt im Fachjournal Nature Communications veröffentlichte Studie liefert wichtige Anhaltspunkte für weitere Forschung dazu – und darüber hinaus deutliche Argumente, für eine klimaangepasste Planung von Flugrouten die Bewölkung zu berücksichtigen.
Effekt natürlicher und menschengemachter Eiswolken auf das Klima
Kondensstreifen sind ein sichtbares Zeichen für den täglich stattfindenden Luftverkehr am Himmel. Sie entstehen, wenn sich das heiße Abgas der Flugzeugtriebwerke mit der kalten Luft in etwa 10 Kilometer Höhe vermischt. In trockener Luft lösen sich die meisten Kondensstreifen schnell wieder auf. In kalter, feuchter Luft können sie jedoch mehrere Stunden existieren und sich zu ausgedehnten Eiswolken oder Zirren entwickeln. Zirren sind dünne Eiswolken in etwa acht bis zwölf Kilometern Höhe, die oft als zarte, faserige Schleier am Himmel erscheinen. Die Klimawirkung dieser aus Kondensstreifen entstandenen Zirren ist in der Summe größer als die der direkten CO2-Emission des Luftverkehrs.
Entscheidend für die Auswirkung auf das Klima ist, ob sich die menschengemachten Wolken in blauem, also wolkenfreien Himmel oder innerhalb bereits existierender natürlicher Zirren bilden. Hohe Eiswolken, ob natürlich oder menschengemacht, existieren bei kalten Temperaturen unterhalb von -40°C. Obwohl sie häufig optisch sehr dünn erscheinen, können sie wie ein Mantel wirken, der verhindert, dass Wärme aus der Atmosphäre ins Weltall entweicht. So tragen sie zum Treibhauseffekt bei. Nur wenn die Wolken sehr dicht sind und die Sonne kaum noch zu sehen ist, ist die ins Weltall zurück gestreute Sonnenstrahlung so hoch, dass eine kühlende Wirkung auf das Klima entstehen kann.